Chronik

Eine kleine Chronik zum Ort Wendischfähre

Der Ortsname findet sich erstmals 1443, als von einer Begebenheit „zur windischen fehre“ berichtet wurde. Er ist deutschen Ursprungs und setzt sich zusammen aus „Wendisch“, dem Adjektiv für die elbslawischen Wenden, sowie aus dem Grundwort „Fähre“. Somit bedeute der Ortsname Wendischfähre „Siedlung an einer Fähre der Wenden“. Der Ort wurdde 1445/47 als „Windischfere“, 1627 als „Wendische Fehra“ und 1791 als „Wendisch Fehre“ bezeichnet.

Wendischfähre entstand als unregelmäßige Ansiedlung von Fischern und Fährleuten. Seine Entstehung verdankt der Ort in besonderem Maße der Tatsache, dass dort ein alter Pilgerweg die Elbe kreuzt. Auf ihm pilgerten katholische Sorben aus der Lausitz nach Papstdorf bzw. ins nordböhmische Mariaschein. In der Sächsischen Schweiz hatten diese Wenden die Elbe zu queren. Eine Fährstelle bildete sich heraus.

Die Grundherrschaft übte im 16. Jahrhundert die Besitzer des Gitterguts im benachbarten Prossen aus. Damit unterstand Wendischfähre im Laufe der Jahrhunderte unter anderem den Geschlechtern Bünau und Lüttichau. Die Verwaltung des Ortes oblag 1445 der Pflege Hohnstein, ab dem 16. Jahrhundert dem Amt Hohnstein. Ab 1856 war dann das Gerichtsamt Schandau zuständig.

Auf Grundlage der Landgemeindeordnung von 1838 erlangte Wendischfähre Selbstständigkeit als Landgemeinde. Diese war 1875 Teil der Amtshauptmannschaft Pirna. In dieser Zeit wuchs der Ort rasch an. Die wesentliche Ursache dafür war der Bau der Carolabrücke im Jahr 1877. Sie war sowohl als Straßen- als auch als Eisenbahnbrücke konzipiert; an der Bahnstrecke entstand im gleichen Jahr in Wendischfähre ein Bahnhof. Über die Carolabrücke verlief die Reichs-, später Fernverkehrsstraße 172 von Dresden über Königstein/Sächsische Schweiz nach Schmilka. Der Brückenbau führte allerdings auch zur Einstellung der alten Elbfährverbindung von Wendischfähre. Genau ein Jahrhundert nach ihrer Errichtung verlor die Brücke ihre Funktion für den Straßenverkehr an die 1977 fertiggestellte Elbbrücke Bad Schandau.

Im Jahre 1925 zählte Wendischfähre 542 Einwohner. Wendischfähre wurde 1937 ins benachbarte Rathmannsdorf eingemeindet. Dabei übernahm Rathmannsdorf auch das alte Siegel der Gemeinde Wendischfähre als Wapen. Es zeigte einen von sieben Ringen gehaltenen Anker. Dies symbolisierte die örtliche Fähre und deren wöchentlich sieben Fährtage. Infolge der Eingemeindung wurde ferner der Bahnhof Wendischfähre in Bahnhof Rathmannsdorf umbenannt. Rathmannsdorf kam 1952 zum Kreis Pirna, der nach mehreren Fusionen heute einen Teil des Landreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bildet.